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Neurofibromatose Typ 1

Name:Neurofibromatose Typ 1
Synonyme:Morbus Recklinghausen; engl.: Neurofibromatosis, type I; von Recklinghausen disease
Vererbung:AD
Gen o. Genprodukt: Neurofibromin
Gensymbol: NF1, VRNF (Tumor-Suppressor-Gen)
Genlokus: 17q11.2, 2p22-p21
MIM-Nr.: 162200
Prävalenz:
1:4000-5000

Symptome:

Haut / Schleimhaut – Symptome:

Die Erkrankung wurde erstmals 1881 von Recklinghausen beschrieben.
Neurofibrome entwickeln sich erst im mittleren Erwachsenenalter und zeigen sich als kutane oder subkutane, solitäre, diffuse oder plexiforme Variante. Sie sind weich und hautfarben bzw. leicht rötlich, Größe und Form können stark variieren. Letztere kann kalottenförmig, kugelig oder gestielt sein, auch ebenmäßig rund. Manche Tumorknoten durchbrechen die Haut von der Subkutis her hernienartig und sind in die Tiefe dislozierbar („Knopflochphänomen“). Große Neurofibrome haben häufig eine schlaffe Konsistenz, lappige oder sackartig pendulierende Formen („Skrotum ohne Testikel“); gelegentlich zeigen sich riesenhafte, schürzenartige Läsionen („Wammen“).

Tiefe, subkutane, plexiforme Neurofibrome sind als derbe, schmerzhafte Verdickungen von peripheren Nerven tastbar.

75% der Neurofibrome tragen Progesteronrezeptoren – eine Größenzunahme unter Kontrazeption mit Pille (kombiniert) oder Mini-Pille (nur Progesteron) konnte jedoch nicht beschrieben werden. Allerdings besteht laut einer Studie ein erhöhtes perinatales Risiko für das Kind, eine höhere Rate von totgeborenen Kindern, intrauteriner Wachstumsverzögerung und Sectioeingriffen [Segal et al., 1999].

Café-au-lait-Flecken zeigen sich meist bereits zum Zeitpunkt der Geburt, spätestens im Alter von 3 Jahren. Die scharf und unregelmäßig begrenzten homogen-kaffeebraunen Pigmentherde messen bis zu einige Zentimeter und sind regellos über den Körper verteilt.

6 oder mehr sind bei Kleinkindern ein nahezu sicheres Indiz für eine künftige Neurofibromatose - 95% der Kinder entwickeln in der Folge die Erkrankung, somit sollten die Verlaufsuntersuchungen bei Kindern mit negativer Familienanamnese so fortgeführt werden, als ob sie die Erkrankung hätten. Etwa 10% der Bevölkerung haben 1 oder 2 Café-au-lait-Flecken. Bei Kindern mit 3-5 Läsionen sollten Folgeuntersuchungen an einer spezialisierten Abteilung erfolgen (Mosaizismus NF1; Neurofibromatose 2).
Des Weiteren findet sich eine disseminierte Lentiginose, vorzüglich im Bereich der Axillen, des Nackens, der Augenlider und unterhalb der Brust (bei Kindern um das 3. Lebensjahr). Hypopigmentierte Maculae, kutane Angiome und Xanthogranulome (isoliert oder multipel auftretende orangefarbene Knötchen oder Knoten, welche im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten und wieder verschwinden) wurden beschrieben.

Assoziierte Symptome:

ZNS:
Neurologisches Defizit bedingt durch:
  • Zerebrovaskuläre Erkrankung
  • Tumor/Malformation (Neurofibrome und Schwannome der zervikalen und lumbalen, spinalen Nervenwurzeln, Gliom des Nervus opticus)
  • Sekundär durch Schädel-/Wirbelsäulendeformierung oder Druck durch Neurofibrome auf das Rückenmark (vor allem cervical)
  • Minderbegabung (bis 30%), Lernschwierigkeiten, Epilepsie
Augen:
  • Lisch-Knötchen: diagnostisch, mehrere, runde, gelbe bis braune, scharf begrenzte Hamartome der Iris
  • Gliome des Nervus opticus
Knochen:
  • Minderwuchs, Skoliose, Makrozephalie, partielle Knochenhypertrophie, Pseudoarthrosen und Knochenzysten
Assoziierte maligne Tumore:
  • Malignes Schwannom
  • Malignes Gliom des Nervus opticus
  • Ependymom
  • Willmstumor
  • Phäochromozytom
  • Retinablastom
  • Rhabtomyosarkom

Histologie:Café-au-lait-Flecken: Histologisch Vermehrung von Melanozyten, keine Naevuszellnester

Diagnosekriterien

  • 6 oder mehr Café-au-lait-Flecken (> 0,5cm beim Kind, > 1,5cm beim Erwachsenen)
  • 2 oder mehr kutane/subkutane Neurofibrome oder 1 plexiformes Neurofibrom
  • Lentiginose der Axillen oder Leisten
  • Gliom des N. Opticus
  • 2 oder mehr Lisch-Knötchen
  • Knochendysplasie
  • Verwandter ersten Grades mit NF1 (etwa die Hälfte der Patienten in der Familie erstbetroffen)

Klinisches Bild
Häufigkeit (%)
Manifestationsalter
Café-au-lait-Flecken>99
Geburt bis 12 a
Lentiginose Intertrigo
85 3a bis Adoleszenz
Lisch-Knötchen 90-95% >7a (meist späte Adoleszenz)
Neurofibrome, kutan>99
Geburt bis 18a
Neurofibrome, plexiform 30 (sichtbar) bis 50 (Bildgebung) Geburt bis 5a
Plexiforme Neurofibrome fazial 3-5 5-75a
Malignom der peripheren Nervenscheiden 2-5 (8-13% lifetime risk)
Geburt bis 18a
Skoliose10
Geburt bis 18a
Skoliose OP-Indikation5Geburt bis 18a
Pseudoarthrose der Tibia2
Geburt bis 3a
Nierenarterienstenose
2 lebenslang
Phäochromozytom
2
>10a
Schwere Minderbegabung (IQ <70)
4-8 Geburt
Lernschwierigkeiten
30-60 Geburt
Epilepsie
6-7 lebenslang
Gliom des N. opticus
15 (5% symptomatisch) Geburt bis 7a (bis 30a)
Zerebrale Gliome
2-3 lebenslang
Dysplasie des Keilbeinflügels
<1 Kongential
Aquäduktstenose
1,5
lebenslang


dd
Beschriebene Mutationen:Genetische Beratung (50% Risiko)

(Symptomatische) Therapie:

vorgeschriebene jährliche Kontrollen beim Kind:
  • Allgemeine Entwicklung, Schulfortschritte
  • Augenkontrollen (Visus, Fundoskopie, Farbsehen, Gesichtsfeld) bis zum 7 LJ (Gliom des N. Opticus, Glaukom)
  • Messung des Kopfumfanges (Hydrozephalus?)
  • Größe, Gewicht
  • Pubertät (vorzeitig/verzögert – Hypophyse, Hypothalamus)
  • Blutdruck (Phäochromozytom, Nierenarterienstenose): Zielwerte <140/90mmHg und <130/85 bei Patienten mit bekannten Endorganschäden
  • Kardiovaskuläre Untersuchung (kongenitale Missbildungen? Pulmonalarterienstenose?)
  • Untersuchung der Wirbelsäule (Skoliose / plexiforme Neurofibrome)
  • Untersuchung der Haut (kutane, subkutane, plexiforme Neurofibrome)
Neurofibrome:
Vermeiden von exzessiver Hitze, Anwenden von Emollients
Operative Versorgung:
  • möglich bei kutanen NF (meist kosmetische Indikation); Risiko der hypertrophen Vernarbung, Rezidiv
  • subkutane NF verursachen Parästhesien im Versorgungsbereich des Nerven; Risiko des postoperativen neurologischen Defizits
  • plexiforme NF sind aufgrund des diffusen Wachstums (Ko: Weichteilinfiltration, Blutung) operativ kaum zu sanieren

Selbsthilfegruppen:

Österreich:
  • Von Recklinghausen Neurofibromatose Gesellschaft Austria 1190 Wien, Dollingergasse 2/4
  • Selbsthilfegruppe Morbus Recklinghausen (Fibromatose) / Von Recklinghausen Neurofibromatose Gesellschaft Austria, Landesgruppe Kärnten: Oberfeldstrasse 5, 9500 Villach
Deutschland:
VRG : Von Recklinghausen Gesellschaft e.V. (Hamburg, Frankfurt)

Schweiz:
SNFV : Schweizerische Neurofibromatose – Vereinigung / Bern
Groupe d'Entraide Romand - Neurofibromatose / Genf

EU:
Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich (2), Irland, Italien (5), Portugal, Spanien (2), Großbritannien, Zypern